Keim

Keim gestaltender Gewissheit

Weitere Einschränkung sozialer Kontakte. Einsicht hier, Widerstand da. ‚Wir schränken uns jetzt ein, um dann Weihnachten zu feiern‘, ist zu hören. Eine wackelige Vorstellung, der die Klarheit entgegensteht: ‚Wir werden die nächsten Jahre mit dem Virus leben müssen und richten uns jetzt darauf ein‘.

Das ist die Gemengelage mit dem Gestaltungshinweis: Wir richten uns ein! Du und ich richten uns ein! Vielleicht stellen wir um? Was immer so war, wird zur Seite weggeräumt oder weggegeben  und es entsteht Raum zum ‚Einrichten‘.


Wenn sich etwas aus Verwicklung entwickelt, entstehen Möglichkeiten, zu verändern und einzugreifen.


Weihnachten birgt so etwas wie ein ‚Einrichtungskonzept‘. Die alten Erzählungen von Geburt, Berufsalltag, politischen Verordnungen mischen sich in die Aktualität.

Die später folgenden alten Erzählungen von den dreißig Lebensjahren des geborenen Kindes werben für Vertrauen und Aufbruch ins sich Verändernde und Veränderte.

Nachvollziehbare Beispiele des Wanderpredigers Jesus von Nazareth  vom ‚Aufgehen der Saat‘, dem ‚Umgang mit Wildwuchs‘, der ‚verborgenen Keimkraft in kleinstem Samenkorn‘, dem ‚Durchdringen der Gärungsenergie weniger Gramm Sauerteig‘ und das Bild von der ‚kostbaren Perle‘, die aus schmerzhaftem Prozess des Widerstandes  entstand, sind Ermutigung, dem ‚Keim zur großen Gewissheit‘  zu trauen.

Unscheinbares wächst zu neuem Gestaltbaren. Vertrauen wir auf diese innere Wachstumskraft? Das Bild vom Kind in der Krippe ist in diesem Sinne eigentlich nicht zu überbieten.

Um sich ‚einzurichten‘, bedarf es kreativer Ideen.  Dieses Weihnachtsfest könnte langfristige Einrichtungsvorlage für die nächste Zeit sein.

So ist Weihnachten das Geschenk an die Seele, sich eigenverantwortlich einzurichten, um angesichts der täglichen Herausforderungen nicht in Abhängigkeit (‚früher war alles besser‘), Angst (‚was soll das bloß werden‘) und Aggression (‚die da oben berauben mich meiner Freiheit‘) stecken zu bleiben.

Es ist die Kompetenz der beschenkten Seele, inneren Raum für Entfaltung zu schaffen.

Der so beschenkte Dag Hammarskjöld (1905-1961)
(Diplomat und später UNO-Generalsekretär) hinterließ ein spirituelles Tagebuch (‚Nicht ich, sondern Gott in mir‘) . Von ihm stammt diese ‚Anleitung‘ zur inneren Entfaltung.

Ich sitze hier vor dir, Gott

aufrecht und entspannt, mit geradem Rückgrat.
Ich lasse mein Gewicht senkrecht
durch meinen Körper hinunter sinken
auf den Boden, auf dem ich sitze.

Ich halte meinen Geist fest in meinem Körper.
Ich widerstehe seinem Drang, aus dem Fenster zu entweichen,
an jedem anderen Ort zu sein als an diesem hier,
in der Zeit nach vorn und hinten auszuweichen,
um der Gegenwart zu entkommen.
Sanft und fest halte ich meinen Geist dort,
wo mein Körper ist:
hier in diesem Raum.

In diesem gegenwärtigen Augenblick
lasse ich alle meine Pläne, Sorgen und Ängste los.
Ich lege sie jetzt in deine Hände, Herr.

Ich lockere den Griff, mit dem ich sie halte,
und lasse sie dir.
Für den Augenblick überlasse ich sie dir.
Ich warte auf dich – erwartungsvoll.
Du kommst auf mich zu,
und ich lasse mich von dir tragen.
Ich beginne die Reise nach innen.
Ich reise in mich hinein, zum innersten Kern meines Seins, wo du wohnst.
An diesem tiefsten Punkt meines Wesens
bist du immer schon vor mir da,
schaffst, belebst, stärkst ohne Unterlass
meine ganze Person.

Und nun öffne ich meine Augen,
um dich in der Welt
der Dinge und Menschen zu schauen.
Ich nehme die Verantwortung für meine Zukunft
wieder auf mich.
Ich nehme meine Pläne, meine Sorgen,
meine Ängste wieder auf.
Ich ergreife aufs Neue den Pflug.
Aber nun weiß ich,
dass deine Hand über der meinen liegt und ihn mit der meinen ergreift.

Mit neuer Kraft trete ich die Reise
nach außen wieder an, nicht mehr allein,
sondern mit meinem Schöpfer zusammen.

So eingerichtet und ausgerichtet wünsche ich eine gesegnete Zeit in pandemenischer Einschränkung für uns alle.

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