Wie viel Ordnung brauchen wir?

Einen Bezug finden, der mehr ist als wir selbst?

Diese Frage stellt sich im persönlichen und familiären wie im gesellschaftlichen und politischen Bereich. Die grundsätzliche Frage heißt immer: Inwieweit ermöglicht oder verhindert Ordnung Leben?  Wir brauchen Ordnung(en), denn sie schaffen den Orientierungs-Rahmen für die Wahrnehmung der gestaltenden Kräfte in uns. Im ‚Chaos‘ wäre unsere Wahrnehmung irritiert. In der Debatte um den ‚Gottesbezug‘ in der EU-Verfassung hat es hier weiterführende Betrachtungen gegeben.


Es gibt neben den kulturellen aber auch einen rationalen Grund, weshalb Gott in einer Verfassung, die ja nichts anderes als ein Rechtssystem ist, vorkommen sollte. „Wenn es Gott nicht gibt, ist alles erlaubt“, schreibt Dostojewski in seinem Roman „Die Brüder Karamasov“. Holger Dohmen, Journalist


Der Gottesbezug macht die Vorläufigkeit, Fehlbarkeit und Unvollkom- menheit der menschlichen Ordnung bewusst.
Bischof Huber, EKD und Kardinal Lehmann, Bischofskonferenz


Eine Anrufung Gottes in der Verfassung bedeutet das Bekenntnis, dass der Staat das Recht nicht erschaffen kann, sondern nur zu seinem Schutz berufen ist, ja seine Legitimität nur so lange besitzt, wie er das nicht von ihm selbst geschaffene Recht schätzt.
Martin Mosebach, Schriftsteller


Wenn wir uns über eine solche Präambel Gedanken machen, dann ist es aus meiner persönlichen Sicht auch als Christ unvorstellbar, dass wir bei einer Einordnung stehen bleiben, die nur auf uns selber zurückführt, unvorstellbar, dass wir glauben, es reicht aus, einen Bezug zu finden, der nicht mehr ist als wir selbst.
Torsten Albig (SPD), Ministerpräsident von Schleswig-Holsein in der Debatte des Landtages um den Gottesbezug in der neuen Präambel der Verfassung.


 

Baumstaemme‚Gute‘ Ordnung: Wenn eines das andere hält?

Der ‚Gottesbezug‘ verweist auf die biblische Mythologie, nach der der Reife eine Ordnung vorangehen muss. Das erste ‚Ordnungsprinzip‘ ist das der Trennung: Gott schied das Licht von der Finsternis.

Wenn Ordnungen der Reifung dienen sollen, brauchen sie das Kriterium der ‚Unterscheidung‘, zum Beispiel der ständigen Überprüfung, ‚was gut ist‘ und ‚was schlecht ist‘.

Mit einer solchen Überprüfung schließt der mythologische Schöpfungsbericht: Gott sah an alles, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Wir tun gut daran, in allen Ordnungs-Fragen diesem Kriterium Raum zu geben.


1 Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;

2 die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.

3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.

4 Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis ….

31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. 
Genesis 1


Was ich unter ‚Gottesbezug‘ verstehe,
habe ich an verschiedenen Stellen beschrieben,
insbesondere unter
‚Grundsätze unseres Lebens‘
(‚Heilendes Kirchenjahr)