Versöhnung

 

flagge-frankreich

55 JAHRE

1963 – 2018

DEUTSCH-FRANZÖSISCHER
FREUNDSCHAFTS-VERTRAGflagge-deutschAm 22. Januar 1963
unterzeichneten
Charles de Gaulle und Konrad Adenauer
in Paris den Vertrag
über die deutsch-französische Zusammenarbeit.
Dieser
Freundschaftsvertrag,

der ursprünglich nur die Form einer Vereinbarung haben sollte, setzte sich zum Ziel, das Ende der ‚Erbfeindschaft‘ zwischen Deutschland und Frankreich zu besiegeln.

Quelle ‚Konrad-Adenauer-Stiftung
https://www.konrad-adenauer.de/stichworte/aussenpolitik/deutsch-franzoesischer-Freundschaftsvertrag


Mit der Unterzeichnung wurde die Bedeutung der Jugend für den beginnenden Prozess hervorgehoben. Folgerichtig wurde der ‚Deutsch-Französische Jugendaustausch‘ begründet. Um diese politische Initiative zu stützen, wurden in der Bundesrepublik finanzielle Mittel zur Durchführung solcher Begegnungen bereit gestellt. In dieser Zeit erhalte ich die Empfehlung, nach Taizé zu fahren. Auf die Frage, was denn dieses ‚Taizé‘ sei, erhalte ich die lapidare Antwort: ‚Fahr hin – Du musst es erleben‘. Ebenso die wenig informative Antwort auf meine Frage, wo dass denn sei: ‚In Frankreich, irgendwo in der Nähe von Cluny‘. Die Anträge auf Zuschüsse für die ‚Begegnung‘ waren schnell gestellt und bald bewilligt. Die Reaktion in Taizé war zunächst enttäuschend, verdeutlichte aber das Anliegen. In den 1960ger Jahren strömten viele junge Menschen während der ‚Aufstände‘ in Paris nach Taizé. Sie suchten Orientierung in dieser Zeit des Umbruches, der auch in unserem Land Gestalt annahm, allerdings zeitlich ein wenig verzögert. Die aus Frankreich und auch anderen Ländern nach Taizé strömenden Jugendlichen waren finanziell nicht so ‚komfortabel‘ ausgestattet, wie wir aus der Bundesrepublik Deutschland. So wurden wir gebeten, die erhaltenen Zuschüsse in eine ‚Solidaritätskasse‘ fließen zu lassen. Das bedeutete, das zu teilen, was wir mehr hatten.

UND DU TAIZÉ –
KLEINES DORF IM BURGUNDISCHEN LAND –
ORT DER VERSÖHNUNG …

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Das war unser ‚Einstieg‘ in den ‚deutsch-französischen Jugend-austausch‘. Dieser Einstieg hat uns damals maßgeblich und unmissverständlich die Bedeutung von ‚Freundschaft‘ zwischen den einmal verfeindeten Völkern vor Augen geführt. Diese erste Erfahrung hat mich für die vielen Begegnungen in den folgenden Jahren – besonders in Taizé – geprägt. Daher schreibe ich in Erinnerung an den Vertragsabschluss vor 55 Jahren diesen offenen Brief.


OFFENER BRIEF
AN DIE COMMUNAUTÉ DE TAIZÉ

Liebe Brüder der Gemeinschaft von Taizé,
in diesen Tagen werden wir an den Beginn der ‚Deutsch-Französischen Freundschaft‘ vor 55 Jahren  im Januar 1963 erinnert.

Drei Jahre später fuhr ich, als Diakon und Sozialpädagoge in einer Hamburger Kirchengemeinde tätig, mit Jugendlichen nach Taizé. Zum ersten Mal in meinem Leben fuhr ich in das mir unbekannte Land Frankreich über die Grenze. Die Straßenkarten ließen eher ‚ahnen‘, wo wir den Ort Taizé finden würden. Es gab nur den wenig präzisierten Hinweis ‚Irgendwo in der Nähe von Cluny‘ …

Mitten in der Nacht kamen wir in Taizé an. In der früheren ‚Exposition‘ war das Licht einer brennenden Kerze zu sehen. Wir wurden von einem jungen Bruder erwartet und willkommen geheißen! Am Morgen bin ich zum ersten Mal mit den Jugendlichen und mit Euch, der Gemeinschaft in der ‚Versöhnungskirche‘ (Eglise de la réconciliation) in Gebet, Schweigen und Singen versammelt. Ich erlebe eine Form von erfrischender Gemeinschaft und bekomme einen  neuen Blick auf das, was Kirche ist: Ort der versöhnten Gemeinschaft!


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Eingangsbereich der ‚Kirche der Versöhnung‘ in den 60er Jahren.
In großen Buchstaben ist auf einer Tafel vor der Kirche zu lesen:
‚Ihr, die ihr hier eintretet, versöhnt euch, der Vater mit seinem Sohn,
der Mann mit seiner Frau, der Glaubende mit dem, der nicht glauben kann, der Christ mit seinem Bruder‘ …


Davon sind die folgenden Jahre geprägt. Wir arbeiten mit am Entstehen des ‚Gelben Hauses‘, erleben Jahr um Jahr die wachsende universale Gemeinschaft, die sich um Euch in der ‚Kirche der Versöhnung‘ sammelt.

Kopie von Altar Taize

Dann Ostern 1972 die Eröffnung des ‚Konzil der Jugend‘ mit Tausenden jungen Menschen und der Gesang in einer endlos erscheinenden Prozession um die Kirche –  ‚Preparez le chemin du Seigneur‘ singen wir.  Bis zum heutigen Tag Jahr um Jahr bin ich für eine Woche in Taizé.

Ich hatte einen Ort gefunden, der wie kein anderer mich in allen Bereichen meines Lebens prägte. Von einem ‚Frühling der Kirche‘ sprach der damalige Papst Johannes XXIII. Dieser ‚Frühling‘ hat mich bis heute erfüllt. In den ersten Jahren war es Euer Bruder Rudolf, der uns begleitete. Er teilte unsere Freude und gleichzeitig unsere Verwirrung angesichts der gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüche. Er war darin auch uns ‚Bruder‘. Heute lebt er in Brasilien und im vergangenen Jahr hatten wir die Freude, einander nach langer Zeit wieder zu begegnen.

Meine ersten Begegnungen mit ‚Frankreich‘ sind durch dieses Erleben geprägt. Dieses Land ist unser Urlaubsland geworden und jeder Urlaub beginnt mit einem Innehalten in Taizé. Ihr habt der ‚Freundschaft‘, der ‚Versöhnung‘ unserer Länder ein Gesicht gegeben und mir geholfen, in die ‚Menschheits-Familie‘ unter dem Geist Gottes zu finden.

Ich weiß heute aus vielen Gesprächen, wie Eure Gemeinschaft sich den wachsenden Herausforderungen immer wieder neu gestellt, immer den ‚Ruf Gottes‘ aus dem Geschehen gehört und Antwort gegeben hat. Taizé ist ein lebendiges Zeichen der Versöhnung weit über die Grenzen unserer Länder hinaus.

Ich möchte einfach ‚Danke!‘ sagen. ‚Danke!` an unseren ‚rufenden Gott‘; ‚Danke!‘ an Euer Beispiel als  antwortende Gemeinschaft; ‚Danke!‘ an die vielen – wie ich – Suchenden, denen ich über die Jahre in Taizé begegnete.

In diesem Jahr feiere ich meinen 80. Geburtstag und ich freue mich, diesen Tag mit Stille, Gebet, und den ‚Gesängen aus Taizé‘ zu gestalten, wie ich es in Euer Gemeinschaft erfahren und gern angenommen habe.

In tiefer Verbundenheit!

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1. Februar 2018

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