Prüfungsauftrag

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

Anrede 1

Gegen ‚Zensuren‘ reagieren wir empfindlich.  Bewertungen von außen rühren an unsere Selbstbestimmung. Eine ‚zensierte‘ ins Grundgesetz eingefasste Meinungsfreiheit rührt an jedes demokratische Selbstverständnis und schafft Widerstand, der sich besonders in Demonstrationen auf der Straße zeigt. Auch diese Demonstrationsfreiheit wiederum ist ebenfalls nicht selbstver-ständlich. Demonstrationen müssen angemeldet werden. Die Anmeldepflicht dient der Öffentlichen Ordnung, nicht aber ist sie Zensur frei geäußerter Meinung. Diese ‚Gratwanderungen‘ verdeutlichen die Empfindlichkeit von gelebter Freiheit.

Die Bewertung schulischer Entwicklung unterliegt ebenso kritischer Betrachtung. Für viele Schulen gehört es heute zur Selbstverständlichkeit, wenn Kinder in den ersten Klassen keine ‚Leistungs-Bewertungen‘ in Form von Zensur-Noten erhalten. Das zarte Pflänzchen von wachsendem Selbstwert-Gefühl soll nicht schon früh Schaden nehmen. So werden die Kinder mit einfühl-samen Beschreibungen ihrer Möglichkeiten begleitet. Wenn in höheren Klassen dann doch die konkreten und ablesbaren Leistungs-Noten  ins Spiel kommen, so werden sie auch dann mit auf die jeweilige Person zugeschnittenen Beschreibungen begleitet.

Bei aller ‚Empfindlichkeit‘ gegen Bewertung von außen haben alle Menschen dennoch eine gewisse ‚Affinität‘ zur Bewertung erbrachter Leistung. Wäre das nicht so, gäbe es eine solche wie oben geschilderte Erörterung gar nicht.

Wenn aber die Bewertungs-Instanz gar nicht von außen käme, sondern es sich um eine Instanz in der eigenen Persönlichkeit handelte, dann wäre das doch eine grandiose Lösung dieser lebensbegleitenden Realität. 

Durchforsche mich, Gott, und sieh mir ins Herz; prüfe meine Wünsche und Gedanken, so in der ‚Guten Nachricht‘, Bibel in heutigem Deutsch.

Diesen ‚Forschungs-Auftrag‘ finden wir im sehr alten Gebetsbuch im Psalm 139.  Ich habe diesen Psalm so oft gelesen und gesprochen und erst vor einigen Wochen ist mir dieses Anliegen richtig ins Bewusstsein gesackt. 

Wenn unter ‚Gott‘ nicht eine den Zeigefinger gehobene Kontroll-Instanz gesehen wird, sondern der unzerstörbare ‚göttliche Kern‘ in jedem Menschen, aus dem diese Wahrheit ins Bewusstsein steigt: ‚Ich liebe dich, so wie du bist, denn du bist Ebenbild meiner bewahrenden Kraft‘, dann …

… ja dann wäre ja dieser Kraft zuzustimmen und ihr zuzutrauen, mein Herz und meine Intentionen zu ‚prüfen‘ und zu erkennen. Dann gäbe es in mir  ‚Dialog‘ und Handlungs-Erkenntnis: ‚Ja, so will ich es sehen; ja, so will ich es machen‘. Für diesen Prozess in mir steht der ‚alte‘ Begriff ‚Gebet‘.

Dafür gibt es viele Anleitungen. Eine von mir sehr geschätzte stammt von Dag Hammerskjöld


Ich sitze hier vor dir, Herr
aufrecht und entspannt, mit geradem Rückgrat.

Ich lasse mein Gewicht senkrecht
durch meinen Körper hinunter sinken auf den Boden,
auf dem ich sitze.

Ich halte meinen Geist fest in meinem Körper.
Ich widerstehe seinem Drang, aus dem Fenster zu entweichen,
an jedem anderen Ort zu sein als an diesem hier,
in der Zeit nach vorn und hinten auszuweichen,
um der Gegenwart zu entkommen.
Sanft und fest halte ich meinen Geist dort, wo mein Körper ist:
hier in diesem Raum.

In diesem gegenwärtigen Augenblick
lasse ich alle meine Pläne, Sorgen und Ängste los.
Ich lege sie jetzt in deine Hände, Herr.
Ich lockere den Griff, mit dem ich sie halte, und lasse sie dir.
Für den Augenblick überlasse ich sie dir.
Ich warte auf dich – erwartungsvoll.
Du kommst auf mich zu, und ich lasse mich von dir tragen.

Ich beginne die Reise nach innen.
Ich reise in mich hinein, zum innersten Kern meines Seins,
wo du wohnst.

An diesem tiefsten Punkt meines Wesens
bist du immer schon vor mir da,
schaffst, belebst, stärkst ohne Unterlass meine ganze Person.

Und nun öffne ich meine Augen,
um dich in der Welt der Dinge und Menschen zu schauen.
Ich nehme die Verantwortung für meine Zukunft wieder auf mich.
Ich nehme meine Pläne, meine Sorgen, meine Ängste wieder auf.
Ich ergreife aufs Neue den Pflug.
Aber nun weiß ich, dass deine Hand über der meinen liegt
und ihn mit der meinen ergreift.

Mit neuer Kraft trete ich die Reise nach außen wieder an,
nicht mehr allein, sondern mit meinem Schöpfer zusammen.


Natürlich sind damit die uns umgebenden Bewertungs-Tendenzen nicht wie gelöscht. Jetzt aber bin ich in meinem Selbstwert gestärkt, entdecke meine Möglichkeiten (neu), schätze meine Grenzen realistischer ein und bin vor Selbstüberforderung geschützt.

Ich habe diesen Brief an Euch  am Pfingsttag geschrieben. Wir feiern den ‚Geist der Liebe und der Orientierung und damit den Geist der Freiheit‘!

Orientierung im ‚Strom des Lebens‘

Euer

Anrede2

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