Parcours

 

PARCOURS DER GEWISSHEITEN

Wenn du von ‚Gott‘ redest und wirklich Gott meinst, dann fabulierst du nicht von irgend-einem blassen Gedanken, von irgendeiner Idee, die am Himmel hängt wie ein ferner Stern.

Du sprichst von einer großen Kraft, die Welten schafft und verwandelt, sie in die
Unendlichkeit hinaustreibt, bis sie irgendein fernes Ziel erreichen. Du sprichst von der Kraft einer dynamischen Bewegung. Du meinst eine grenzenlose Fantasie, aus der die Gestalten des Lebens und des Geistes hervorgehen. Du redest vom vom ungeheuren Strom eines gewaltigen Willens, der vorwärtsdrängt in eine völlig offene Zukunft.

Und dieser Wille, das weißt du, ist es auch,  der dich prägt, der dich durch dein Leben treibt, der dich fordert und der will, dass du dich ihm einfügst mit der Freiheit deines kleinen Willens.
Jörg Zink in ‚Die goldene Schnur‘, Anleitung zu einem inneren Weg, Kreuz-Verlag.


Erste Station

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Wir suchen nach Orientierung.
Wir finden Momente der Entscheidung.

Herausforderung: Wohin soll ich gehen?

Jesus selbst ist so herausgefordert.
Einige seiner Vertrauten haben sich gegen den Weg mit ihm entschieden.
‚Wollt ihr auch weg gehen?‘, fragt er die Gebliebenen.

Da antwortete ihm
Simon Petrus:
Herr,
wohin sollen wir gehen?
Du hast Worte
des ewigen Lebens.

 Johannes 6,68

Welches sind für mich ‚Worte des ewigen Lebens‘; 
also Worte, die mir Perspektive in die Tiefe meines Seins geben?


Zweite Station

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Unsere Wege sind manchmal ‚verwirrend‘ und nicht durchschaubar.
Die Gefahr, sich zu ‚verhaspeln‘, ist nicht gering.
Wir bedürfen der Orientierung, des sprichwörtlichen ‚Roten Fadens‘.
Aus der griechischen Mythologie kennen wir den ‚Ariadne‘-Faden,
der Theseus nach gewagter Konfrontation
den sicheren Weg zurück garantiert.

Darum
werft euer Vertrauen
nicht weg,
welches
eine große Belohnung hat.

 Hebräer-Brief 10,35

Das Vertrauen in die ‚Führung Gottes‘ kann ein solcher ‚Faden‘ sein,
die Orientierung in den Wirrnissen des Alltags zu behalten.

‚Was immer mir widerfährt oder widerfahren kann, es läuft eine ‚Linie‘ durch meine Jahre. Von einer wissenden Macht gezogen. Von Gott. Nichts geschieht einfach so.
Es geschieht alles auf mich zu. Was um mich her geschieht, spricht zu mir und meint mich.
Was ich erfahre, will etwas an mir ändern. Was ich Zufall nenne, fällt mir zu … ‚
Jörg Zink, Die goldene Schnau, Anleitung zu einem inneren Weg, Kapitel 57


Dritte Station

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Lebens-Wege können wie ‚Wüsten‘-Wege sein.
Wer sich schon länger in der Wüste aufhielt,
kennt die unabdingbare Bedeutung von Wasservorrat.
Wasser belebt die Sinne und hält den Blick klar:

Denn bei dir
ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte
sehen wir das Licht.
 

Psalm 36,10

In der ‚Nähe Gottes‘ sich aufzuhalten,
heißt der ‚Quelle des Lebens‘ nah zu sein.

Diese ‚Quelle‘ schenkt den klaren Blick für das Licht!


Vierte Station

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Herausforderungen auf dem Weg verlangen Balance.
Nur im Gleichgewicht bin ich dem ‚Absturz‘ nicht ausgeliefert.
Ich kann mich in ‚Balance‘ halten.
Übertragen in unterschiedliche Lebenssituationen,
brauche ich das ‚gesunde Selbst-Vertrauen‘ in meine inneren Kräfte,
die ich auch die ‚Gottes-Kräfte‘ nenne.

Denn der Herr, dein Gott,
ist ein barmherziger Gott.
Er lässt dich nicht fallen
und gibt dich nicht dem Verderben preis.
Deuteronomium 4,31

‚Niemals werde ich tiefer fallen, als in die Hände Gottes‘,
ist Ausdruck solcher Gewissheit.
Sie macht mutig im Handeln.


Fünfte Station

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Verschiedenartigkeit in Gemeinschaft.
Herausforderung und Vision. 
Gemeinsam ist Verlässlichkeit.
Jedes Teil stützt und gibt Halt.

Lasst euch
als lebendige Steine
zu einem geistigen Haus aufbauen. 

1.Petrus-Brief 2,5

Das ‚geistige Haus‘ ist Ort der Geborgenheit,
weil der verbindende ‚Geist‘  zusammenhält.

Das ist die Stärke von Gemeinde.


 Sechste Station

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Lebensweisheit

Ein Philosophieprofessor stand vor seinen Studenten und hatte ein paar Dinge vor sich liegen. Als der Unterricht begann, nahm er ein großes, leeres Glas und füllte es bis zum Rand mit großen Steinen. Anschließend fragte er seine Studenten, ob das Glas voll sei?  Sie stimmten ihm zu.

Der Professor nahm eine Schachtel mit Kieselsteinen und schüttete sie in das Glas und schüttelte es leicht. Die Kieselsteine rollten natürlich in die Zwischenräume der größeren Steine.
Dann fragte er seine Studenten erneut, ob das Glas jetzt voll sei? Sie stimmten wieder zu und lachten.

Der Professor seinerseits nahm eine Schachtel mit Sand und schüttete ihn in das Glas.

Natürlich füllte der Sand die letzten Zwischenräume im Glas aus.

‚Nun‘, sagte der Professor zu seinen Studenten, ‚ich möchte, dass sie erkennen,
dass dieses Glas wie ihr Leben ist!
Die Steine sind die wichtigen Dinge im Leben.
Ihre Familie, ihr Partner, ihre Gesundheit, ihre Kinder.
Also Dinge, die – wenn alles andere wegfiele und nur sie übrig blieben –
ihr Leben immer noch erfüllen würden.

Die Kieselsteine sind andere, weniger wichtige Dinge,
wie zum Beispiel ihre Arbeit, ihre Wohnung, ihr Haus oder ihr Auto.

Der Sand symbolisiert die ganz kleinen Dinge im Leben.
Wenn sie den Sand zuerst in das Glas füllen,
bleibt kein Raum für die Kieselsteine oder die großen Steine.
So ist es auch in ihrem Leben.
Wenn sie all ihre Energie für die kleinen Dinge in ihrem Leben aufwenden,
haben sie für die großen keine mehr.

Achten sie zuerst auf die großen Steine.
Sie sind es, die wirklich zählen.
Der Rest ist nur Sand.

Trachtet zuerst
nach dem Reich Gottes
und
nach seiner Gerechtigkeit,
so wird euch

das alles (was ihr braucht) zufallen.

Matthäus-Evangelium  6.33

In der spirituellen Sprache stehen die ‚großen Steine‘ für Glaube, Liebe, Hoffnung. Sie sind ‚Reich-Gottes-Steine‘  und ‚tragen‘. Sie bilden Tragfähigkeit für unser Leben. Sie ‚ordnen‘ und geben den kleinen und großen Wichtigkeiten den Raum, der ihnen  zusteht, ohne das Tragende an die Seite schieben zu können oder das Leben zu ‚überfüllen‘.


Siebte Station

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Orientierung in schwierigen Zeiten.
Das ‚Licht‘ finden, wenn Dunkelheit und Irritation zu überwältigen drohen.

Das kann auch bedeuten, aus verhaftenden Haltungen aufzubrechen;
den ’sicheren Hafen‘ der Gewohnheiten zu verlassen.

Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater.
Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn;
er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Lukas 15, 20

Im Lukas-Evangelium finden wir das Gleichnis von einem jungen Menschen,
der das Vertraute verlässt und die Orientierung verliert.
Als er ‚am Ende‘ ist,
beschreibt ein kurzer Satz den Beginn seiner Veränderung:
‚… Da ging er in sich ….‘
Dieses Bei-Sich-Ankommen ist Voraussetzung für seinen Aufbruch.
Das Bewegende und Überraschende ist die Tatsache,
dass ihm das Ersehnte entgegenläuft.
Er findet in seine Ganzheit zurück.


Achte Station

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Die olympische Disziplin ‚Hürdenlauf‘ fasziniert.
Auf gerader Strecke nehmen die SportlerInnen Hindernis für Hindernis laufend in den Blick, konzentrieren ihre Kräfte und überspringen sie.

Das ist ein Bild für unseren Weg.
Hindernisse sind nicht unbedingt schon im Voraus zu erkennen.
Manchmal entwickeln sie sich  unmerklich und überraschend tauchen sie auf.
Plötzliche Herausforderung, die Konzentration braucht.

Konzentration ist ‚Sammlung in die ‚Mitte‘.
Spirituell meint ‚Mitte‘  ‚Gott‘.
Aus dieser Sammlung zum ‚Sprung‘ an
setzen…

Denn mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.

Psalm 18,30

‚Sammlung in die Mitte‘ nennen wir Gebet.
Es gibt viele Überlieferungen von solcher Haltung
– auch und besonders im Leben Jesu -,  
bevor ein entscheidender Schritt zur Überwindung möglich ist.


Neunte Station

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 ‚Die Stunde unseres Scheiterns
ist die Stunde der unerhörten Nähe Gottes
und gerade nicht der Ferne‘,
ist die Erfahrung von Dietrich Bonhoeffer

Es ist die Gewissheit solcher Nähe,
an die diese letzte Station erinnert.

Von allen Seiten
umgibst du mich
und hältst
deine Hand über mir.

Psalm 139,5

Und so magst du zur ersten Station zurückkehren,
die mit einer Frage begann …


 Zehnte Station

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Ich will dir danken,
Herr, mein Gott,

aus ganzem Herzen,
will deinen Namen ehren
immer und ewig.

Psalm 86,12

Suche dir einen Ort,
an dem du gut sein kannst und nicht ‚gestört‘ wirst.

Das kann in der Wohnung oder draußen sein.
Schön, wenn du eine offene Kirche findest.

Schließe die Augen, halte inne 
und sprich:
‚Danke‘!