Mond und Mensch

 

EINE LIEBE
AUF DEN ZWEITEN BLICK

Unauslöschlich ist die Erinnerung an die durchwachte Nacht und die flimmernden Bilder der Übertragung von der Mondlandung am 21. Juli 1969. ‚Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit‘ vermittelt die verzerrte Stimme des Astronauten aus der ‚unendlichen‘ Ferne. Diese Botschaft hat alle erreicht.

Später dann die grandiosen  Bilder vom Blick auf unsere Erde. Die haben maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute ein tiefgreifend verändertes Verhältnis zu unserem ‚Heimat‘-Planeten gewannen.

In gegenwärtiger Zeit mit den Anzeichen einer deutlichen Veränderung des Klimas und  der nachgewiesenen Unverantwortlichkeit menschlichen Handelns als Ursache, wird dieser Blick mit Recht immer wieder herausgefordert. Die ‚Zerbrechlichkeit‘ einerseits und unsere Verantwortung andererseits geraten gleichzeitig in den Blick. Das ist ein großes Geschenk, das wir in ‚Händen halten.

Matthias Claudius hatte nicht den Blick vom Mond auf unsere Erde. Dennoch öffnet sein Lied angesichts seiner Mond-Wahrnehmung einen innigen Blick auf unser Leben.


Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
     Am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
     Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
     So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
     Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen? –
Er ist nur halb zu sehen,
     Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
     Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolzen Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder,
     Und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinnste
Und suchen viele Künste,
     Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
     Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden
     Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
     Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
     Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch Schwestern, Brüder,
In Gottes Namen nieder;
     Kalt ist der Abendhauch.
Verschon’ uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
     Und unsre kranken Nachbarn auch.*

*Beim Kirchentag in Dortmund haben wir so aktualisiert gesungen.


Es ist nicht nur der ermöglichte  Blick vom Mond auf *unsere* Erde, der die besondere Verbundenheit (neu) beschreibt. Es ist auch das Wissen um das ‚Wechselspiel‘ des Planeten Erde und ihres Trabanten Mond. Wir kennen den Einfluss der ‚Mond-Phasen‘ auf Abläufe des Lebens auf dem Planeten Erde. Unsere tiefen Gefühle am Meer angesichts der Gezeiten Ebbe und Flut stehen unter diesem Einfluss und der unruhige Schlaf in einer Vollmondnacht auch. Physikalisch ist es die Gravitation des Mondes, die die geneigte Erdachse stabilisierend das verlässliche Kommen und Gehen der Jahreszeiten ermöglicht.

Der Dichter, Prediger und auch König Salomo sieht  in Sonne und Mond, die wir sehen,  Garanten der Kraft unseres Lebens, die wir ‚Gott‘ nennen.


4 Er soll den Elenden im Volk Recht schaffen
und den Armen helfen und die Bedränger zermalmen.
5 Er soll leben, solange die Sonne scheint
und solange der Mond währt, von Geschlecht zu Geschlecht.
6 Er soll herabfahren wie der Regen auf die Aue,
wie die Tropfen, die das Land feuchten.
7 Zu seinen Zeiten soll blühen die Gerechtigkeit
und großer Friede sein, bis der Mond nicht mehr ist.
8 Er soll herrschen von einem Meer bis ans andere
und von dem Strom bis zu den Enden der Erde.

Aus Psalm 72


Es gibt viele Gründe, in dieser Zeit der Erinnerung an einen ‚großen Schritt‘ uns die Bindung an den Mond  zu vergegenwärtigen.

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