Lernstück

LERN-STÜCK GESCHICHTE

‚Ich wünschte, sagen zu können:
Wir Deutsche haben für immer aus der Geschichte gelernt.
Aber das kann ich nicht sagen,
wenn Hass und Hetze sich ausbreiten‘.

Ein Merk-Satz aus der Rede unseres Bundespräsidenten
in der Gedenkstätte Yad  Vashem in Israel
anlässlich der Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren.

Der ‚Kristall der Hoffnung‘ kann sich nur weiter entwickeln, wenn Betroffenheit bleibt, die sich dem Vergessen entgegenstellt.  Nur aus solcher Betroffenheit kann Geschichte zum ‚Lern-Stück‘ auch für nachfolgende Generationen werden.Bundespräsident Steinmeier:

‚Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand. Mehr noch: Sie präsentieren ihr antisemitisches, ihr völkisches, ihr autoritäres Denken als Antwort für die Zukunft, als neue Lösung für die Probleme unserer Zeit ….

In der Gedenkstätte Yad Vashem

Es bleibt die eine Antwort : Nie wieder! Niemals wieder! Deshalb darf es keinen Schlussstrich unter das Erinnern geben. Diese Verantwortung ist der Bundesrepublik von ersten Tage an eingeschrieben. Aber sie prüft uns – hier und heute.‘

Januar 2020

Das ‚Nie wieder‘ wird unübersehbar unterstrichen, solange Zeitzeugen auftreten und ohne Wenn und Aber zum Ausdruck bringen können, wie das mörderische Tun sich entwickelte und wie Menschen Opfer wurden. Die Zeitzeugen allerdings sind schon jetzt nur noch wenige.

Menschen wie ich, die diese Zeit als Kind ‚am Rande‘ erlebten, nehmen zahlenmäßig ebenfalls ab.  Gleichzeitig aber nimmt die Zahl derer zu, die das Geschehen vor 75 Jahren abtun – damit hätten sie nichts zu tun.

Mit jeder ‚Erinnerung‘ aber nehmen auch die zu, die sich berühren lassen und das Geschehen von ‚damals‘ durchaus im Kontext gegenwärtiger Tendenzen von Ausgrenzung, Diffamierung und Verfolgung zu sehen bereit sind. Ich gehe davon aus, dass ihr zu denen gehört.
Ihr übernehmt damit gleichsam eine ‚Patenschaft‘ in Verantwortung. Ihr identifiziert euch mit denen, die gelitten und deren Leben in willkürlicher Barbarei genommen wurde. Ihr werdet es sein, die zu ähnlichen Anlässen der Erinnerung auf den Podien stehen müssen, um den Sprachlosen aus vergangener Zeit Stimme zu geben und die das vielfach dokumentierte Leiden als ‚Anwalt/Anwältin‘ zu ihrem eigenen machen.

Etwa so: Ich vertrete heute hier das Leben, Leiden von ……….. und möchte als Pate autorisiert ihre/seine Stimme erheben und fordern: Das darf nie wieder geschehen. Ich erhebe ihre Stimme, die mahnt, allen noch so ‚versteckten‘ Anfängen zu solchem Unheil die Stirn zu bieten! 

Tut Euch mit anderen zusammen und übernehmt diese Verantwortung. Gehört auch zu denen, die sich zur Stützung ihrer ‚Patenschaft‘  Bildern und Dokumentationen an Stätten wie zum Beispiel das Anne-Frank-Haus Amsterdam, ‚KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen‘ oder ‚KZ-Gedenkstätte  Dachau‘ (um nur drei zu nennen) bewusst aussetzen.

Leider findet ihr in Eurer unmittelbaren Umgebung überall solche Stätten, die ihr als ‚Paten‘ aufsuchen könnt.

Danke! In Gedanken begleite ich Euch.

Januar 2020

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