Kristall der Hoffnung

 

Nach dem 27. JANUAR 1945,
dem 19. April 1943
und
nach dem 23. MÄRZ 1933

 BETROFFENHEIT ALS ZEICHEN VON SOLIDARITÄT

StacheldrahtTränen wie ‚Kristall der Hoffnung‘

Während Menschen in Auschwitz und in anderen Konzentrations-Lagern gefoltert, gequält und systematisch ermordet wurden, war „meine Zeit“ von Tief-Fliegern geprägt, vor denen wir uns auf dem Schulweg flach auf dem Boden liegend zu schützen hatten. Sie war geprägt von dem nächtlichen Aufsuchen des Luftschutzkellers.

Der später aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrende Vater erzählte uns Kindern amüsante Geschichten aus seinem Soldaten-Leben und einrückende englische Soldaten schenkten uns Schokolade. Bei uns einquartierte Flüchtlinge waren für mich wie unerwarteter Besuch.

Als sowjetische Soldaten das Lager in Auschwitz befreiten, stand ich kurz vor meinem siebten Geburtstag. Betroffen von den Ereignissen in den Konzentrationslagern und wirklich ‚reif‘ für die Bilder und Berichte wurde ich mit wachsender kritischer Haltung erst viel, viel später.

Heute, nach  mehr als 70 Jahren empfinde ich die Bilder, Berichte, Filme immer noch wie unmittelbar. Mir ist bei aller kritischen Betrachtung und dem Versuch, Zusammenhänge zu analysieren und sie nicht als nur deutsches Vergangenheitsproblem darzustellen, dass Betroffenheit bleibt.

Diese Betroffenheit möchte mir um meiner Selbst und um der Verantwortung willen erhalten. Betroffenheit hält wach – auch und gerade  in einer Zeit, wo Menschen verfolgt und geschunden werden! Ein Mindestmaß an Solidarität.

Dazu suche ich die Stätten dieses unsagbaren Leids auf. Dazu zählen aus jüngerer Zeit das Konzentrationslager Bergen-Belsen und das Anne-Frank-Haus in Amsterdam und es gehören Bücher wie ‚Roman eines Schicksalslosen‘ von Imre Kertecz dazu, das auch verfilmt wurde.

Für uns heute gibt es den Auftrag, diese Betroffenheit wach zu halten und weiterzugeben. Das ist der einzige ‚Hoffnungs-Tropfen‘, den ich in dem Geschehen vor mehr als 70 Jahren und folgenden Ereignissen erkennen kann.


DU SOLLST KEIN UNBETEILIGTER ZUSCHAUER SEIN !
Stimme eines Überlebenden anlässlich der Gedenkfeier im Jahre 2015.
Die ‚Zeitzeugen‘ werden weniger  … Die Erinnerung müssen wir verstärkt aussprechen und wachhalten. So solidarisieren wir uns mit den Leiden der Opfer und widersetzen uns einer schamlosen Verunglimpfung wie jüngst geschehen durch die ‚ECHO-PREIS‘-Verleihung  2018.
‚Die Bagatellisierung ist vor dem historischen Hintergrund unzulässig und auf keinen Fall tolerierbar‘
wird Peter Maffay  zitiert …

Das ‚Nie wieder‘ wird unübersehbar unterstrichen, solange Zeitzeugen auftreten und ohne Wenn und Aber zum Ausdruck bringen können, wie das mörderische Tun sich entwickelte und wie Menschen Opfer wurden. Die Zeitzeugen allerdings sind schon jetzt nur noch wenige.

Menschen wie ich, die diese Zeit als Kind ‚am Rande‘ erlebten, nehmen zahlenmäßig ebenfalls ab.  Gleichzeitig aber nimmt die Zahl derer zu, die das Geschehen vor 75 Jahren abtun – damit hätten sie nichts zu tun.

Mit jeder ‚Erinnerung‘ aber nehmen auch die zu, die sich berühren lassen und das Geschehen von ‚damals‘ durchaus im Kontext gegenwärtiger Tendenzen von Ausgrenzung, Diffamierung und Verfolgung zu sehen bereit sind. Ich gehe davon aus, dass ihr zu denen gehört.
Ihr übernehmt damit gleichsam eine ‚Patenschaft‘ in Verantwortung. Ihr identifiziert euch mit denen, die gelitten und deren Leben in willkürlicher Barbarei genommen wurde. Ihr werdet es sein, die zu ähnlichen Anlässen der Erinnerung auf den Podien stehen müssen, um den Sprachlosen aus vergangener Zeit Stimme zu geben und die das vielfach dokumentierte Leiden als ‚Anwalt/Anwältin‘ zu ihrem eigenen machen.

Etwa so: Ich vertrete heute hier das Leben, Leiden von ……….. und möchte als Pate autorisiert ihre/seine Stimme erheben und fordern: Das darf nie wieder geschehen. Ich erhebe ihre Stimme, die mahnt, allen noch so ‚versteckten‘ Anfängen zu solchem Unheil die Stirn zu bieten! 

Tut Euch mit anderen zusammen und übernehmt diese Verantwortung. Gehört auch zu denen, die sich zur Stützung ihrer ‚Patenschaft‘  Bildern und Dokumentationen an Stätten wie zum Beispiel das Anne-Frank-Haus Amsterdam, ‚KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen‘ oder ‚KZ-Gedenkstätte  Dachau‘ (um nur drei zu nennen) bewusst aussetzen.

Leider findet ihr in Eurer unmittelbaren Umgebung überall solche Stätten, die ihr als ‚Paten‘ aufsuchen könnt.

Danke! In Gedanken begleite ich Euch.

 

Januar 2020

KONTAKT


Die Uno-Vollversammlung hat mit überwältigender Mehrheit beschlossen, den 27. Januar zum weltweiten Holocaust-Gedenk-Tag zu erklären (27. Januar 1945). Inzwischen gibt es Bestrebungen, den 23. März zum Gedenktag an die unheilvolle ‚Machtergrei-fung‘ (23. März 1933) zu erklären. In das Gedenken gehört auch der ‚Aufstand der Geknechteten im ‚Warschauer Ghetto (19. April 1943)

Alle Daten gehören untrennbar zusammen.


ZUM THEMA

ERINNERUNG VERSÜHNT DAS LAND
‚Das Vergessen und die Planierung der Erinnerung verwüstet die Lebenslandschaft der Humanität. So muss man tun, was nicht gelingt, und tun, was unerlässlich ist: sich erinnern …‘ So schreibt
Fulbert Steffensky  zum 70. Jahrestag der Befreiung von Ausschwitz.

Das beispiellose Verbrechen

http://www.ndr.de/kultur/geschichte/chronologie/Holocaust-Das-beispiellose-Verbrechen,verbrechen100.html

Mit freundlicher Genehmigung des NDR-Kultur


Vor 75 Jahren
LERN-STÜCK GESCHICHTE

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Januar 2020 in Yad Vashem‘


Geschichtsträchtige‘ Daten gehören zusammen. Wir befinden uns immer im ‚Lauf der Geschichte‘. Daher sind zur Erinnerung und zum Gedenken auch diese hier aufgeführt:
9. November 1918
Ende des Ersten Weltkrieges mit Ausrufung  Weimarer Republik.
9. November 1938
Pogrom gegen die Juden mit Niederbrennen von Synagogen, Ausplündern jüdischer Geschäfte und gezielte Verfolgung und Tötung von Juden in unserem Land.
9. November 1989
Fall der Mauer in Berlin und Beginn der ‚Wiedervereinigung‘.


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