Ich bin so frei

Anrede 130.Juni 2016

AUF DEM WEG SEIN UND STOLPERN

 

Nur, wenn ich auf dem Weg bin, kann ich ins Stolpern geraten. Über das ‚Stolpern‘ komme ich ins Innehalten. Wer ’sitzen‘ bleibt, kommt weniger zu Aufmerksamkeit für sich und den eigenen Weg.

Die überlieferte  ‚Christus‘-Identitäts-Aussage ‚Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ beginnt mit dem Weg! Auf dem ‚Lebens-Weg‘ stolpere ich über die ‚Wahrheit‘ und das ‚Leben‘. Solch ein ‚Stolper‘-Weg kann persönlich wie ein ‚Zick-Zack-Kurs‘ erlebt werden; in den Augen ‚Gottes‘ aber ist er gradlinig. Die ‚Stolper‘-Strecken schaffen die innere Gradlinigkeit. Sie prägen den Lebens-Sinn. Sinnvolles sind die ‚Meilen‘-Steine, die Weg-‚Markierungen‘. Auch Stille kann der Weg sein, in der ich ins ‚Stolpern‘ gerate, wenn zum Beispiel ein unerwarteter Gedanke oder eine ‚Erinnerung‘ ins Bewusstsein dringen.

Bei einem Vortrag ’stolpere‘ ich über die Aussage: ‚Ich bin so frei!‘ Durch unterschiedliche Betonung werde ich ‚angeregt‘, noch mehr ins ‚Stolpern‘ zu geraten.

ICH BIN SO FREI!
Freiheit ist Identität und nie Selbstzweck. Sie führt in die Kollektivität und damit zur Solidarität.
Sie ist die Befreiung ‚zu‘ etwas.

ICH BIN SO FREI!
Innere Freiheit hebt soziale Ungleichheiten auf.
Es gilt, Freiheit in den häufig gegenläufigen Kontexten als ‚Möglichkeits-Form‘ leben.

ICH BIN SO FREI!
Freiheit ist bedingungslos erlebtes Geschenk.
Es gilt, die Freiheit in ‚Gestalt‘ bringen, sie umzusetzen.

 ICH BIN SO FREI!
Freiheit ist ‚Bin‘-Existenz. In der visionären Begegnung mit ‚Gott‘ fragt Mose nach dessen Namen. *
‚Ich bin da‘ erhält er zur Antwort. Führe mein Volk in die Freiheit. Sei mein ‚Ich-bin-da‘!


Das Zeichen 

Solche Freiheits-Orientierung braucht ‚passive Kreativität‘.

Unterwegs …

Im Tiefpunkt des ‚U‘ liegt die Stille, das Moment kreativer Passivität.
Hier gilt: Sich überlassen. Den nächsten Schritt nicht wissen müssen!

In der Tiefe liegt das Innehalten nach der Etappe nach ‚unten‘ (Solidarität), vor der Etappe nach ‚oben‘ in die ‚Handlung‘ und ‚Gestaltung‘. In dem Moment ‚kreativer Passivität‘ geschieht Bindung; geschieht ‚Heiliger ‚Boden‘. *

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* Visionäre Freiheits-Begegnung

1 Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb.
2 Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.
3 Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?

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4 Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.
5 Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.
6 Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.
7 Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid.
8 Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.
9 Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken.
10 Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!
11 Mose antwortete Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte?
12 Gott aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg verehren.
13 Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?
14 Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der «Ich-bin-da».


Freiheit lebt in Bindung. Sie gleicht einem elastischen Band, ‚unendlich‘ streckbar und bewahrt vor ‚anarchischer Abhängigkeit‘. Wird die ‚Spannung‘ zu groß und erhöht sich die Zugkraft (Überforderung), verstärkt sich die Sehnsucht als ‚Freiheits-Orientierung‘ und hört das liebevoll warnende: ‚Komm zur Ruhe und übernimm dich nicht!‘

Ich wünsche Euch Erkenntnisse im ‚Stolpern‘ für Eure innere Freiheit und Euren  weiterhin ‚gradlinigen‘ Weg …

Euer

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Wer KONTAKT aufnehmen möchte

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Angeregt nach Teilnahme an einer Tagung zum Thema ‚Ich bin so frei!‘ in Eisenach
habe ich meine Gedanken im obigen Brief aufgeschrieben.
Unweit vom Tagungsort steht das ‚Luther-Denkmal‘.
Martin Luther ist für mich Beispiel eines ‚Stolpernden‘, der ‚Freiheit in Bindung‘ lebte.

 


ZU FIKTIVER BRIEF