Das Leben kauen

Ich bin ein ‚Lebens-Gourmet‘

27. Februar 2009

 Anrede 1

‚Ich möchte nicht mehr schlucken – ich möchte endlich kauen!‘, sagt ein Seminar-Teilnehmer, seinen bisherigen Lebensweg betrachtend.

Das ist ein gutes Bild, habe ich zu ihm gesagt. Es geht wirklich darum, sein Leben nicht einfach zu schlucken, sondern zu ‚kauen‘. Lachend erwidert der Teilnehmer, dann sei er ja ein ‚Lebens-Gourmet‘.

Mir sind die Bilder und dieser Dialog nachgegangen. Für manche Ereignisse meines Lebens galt auch einmal für mich, dass ich vieles ‚geschluckt‘ habe. Besonders traf das für die nicht so ‚wohl schmeckenden‘ zu.

Solche geschluckten Begebenheiten haben Nachwirkungen. Häufig bleiben sie unverdaut und verursachen ‚Bauchschmerzen‘ – ohne Bild gesprochen –  ‚Seelen-Schmerzen‘.  In langwierigen Prozessen muss das einmal Geschluckte nach verdaut werden – dann geht es gleichsam um das „Kauen“.

Wir wissen, dass beim Kauen die in der Nahrung enthaltenen Stoffe für den Geschmack freigesetzt werden. Dabei können Bitter-Stoffe Süße erlangen und Süßes bleibt nicht einfach süß, sondern es bewirkt Aroma. Diese Erfahrung allerdings ist bei der Fast-Food-‚Kultur‘ weniger zu machen. Ich empfehle eher, ganz bewusst eine Schnitte Vollkornbrot ohne Belag lange zu kauen …

So geht es auch in übertragenem Sinne. Durch das intensive Nacherleben schwieriger Lebens-Passagen erhalten diese einen ganz anderen Geschmack. Wir entdecken plötzlich Zusammenhänge und Richtungweisendes und können die Bedeutung von Ereignissen für unseren gesamten Lebensweg erkennen.  Was beschwerlich und bedrückend war, hat verschlossene Wirkstoffe freigesetzt und zu Kräften zum Gelingen des Lebens verwandelt.

Diese Erfahrung können wir auf unser Leben bezogen zeitnah machen. Wir müssen nicht warten, bis sich die ‚Verdauungsschwierigkeiten‘ einstellen. Zeitnahe ‚Verdauung‘ geschieht zum Beispiel im Gebet. Gebet ist so etwas wie ‚das Leben kauen‘, Zusammenhänge erkennen und Richtungweisendes entdecken. Es kann allerdings ein längerer Prozess der ‚Verdauung‘ sein, bis die tragenden Wirkstoffe spürbar werden.

Die auch Euch vielleicht bekannte Erzählung ‚Spuren im Sand‘ macht solchen ‚Verdauungs‘-Prozess eindrücklich.

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Gott.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedes mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Gottes.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorüber gezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,‘
dass an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.

Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Gehen

Besorgt fragte ich Gott:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er:
„Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen.“

‚Footprints‘, 1964 Margaret Fishback

 

Ich wünsche Euch gute „Verdauung“ Eures Lebens, damit die „wohlschmeckende“ Erkenntnis frei gesetzt werden kann, welche Kraft Euer Leben trägt!

 Anrede2

 

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