Brief aus Dresden

MAHNENDE ‚TRÜMMERBERGE‘

 

Anrede 1

25.August 2008

ich stehe in der Frauenkirche in Dresden, überwältigt von der Mächtigkeit und der Freude am Detail, überwältigt von dem Einsatz, den Menschen in zehn Jahren Wiederaufbau erbracht haben.

Vor dieser Zeit befand sich an dieser Stelle ein riesiger Trümmerhaufen aus dem zwei Trümmerteile wie mahnende Finger herausragten. Mit äußerster Sorgfalt wurde der Platz ‚enttrümmert‘. Jedes Stück wurde zugeordnet und katalogisiert. Erhaltene Teile wurden heute auch erkennbar in den Bau eingefügt. Etwa 60 %  sind wieder verwendete Bausubstanz, erfahre ich.

Unmittelbar nach der „gewaltfreien Revolution“ erhält die Vorstellung erneut Auftrieb, die Kirche wieder aufzubauen. Viele legen hier Wert auf diese Formulierung. Der Begriff ‚Wende‘ unterschlägt für sie die Dynamik des Geschehens um den 9. November 1989! Zu DDR-Zeiten machte sich eine Initiative dafür stark, wenigstens den Trümmer-Berg als Zeichen zu erhalten, weil an einen Wiederaufbau nicht zu denken war.

Die Stimmen namhafter Unterstützer des Wiederaufbaus wurden immer lauter und lösten ein alle überraschendes Engagement aus.  ‚Die Kirche ist vom Volk wieder erbaut worden!‘, betont ein Mitarbeiter der Gemeinde. Viele Tafeln hängen in der ‚Unterkirche‘, eng mit Namen derer beschrieben, die den Wiederaufbau unterstützten.

Diese wieder aufgebaute Kirche setzt ein Zeichen in einer Zeit, wo der gelebte christliche Glaube – auch vor dem Hintergrund 40jähriger DDR-Geschichte – nur schwer Ausdruck findet. Sie weist auf eine Haltung, die mich bewegt. Diese Kirche ist ein architektonisches Wunder; viel mehr ist sie ein wunderbares Zeichen, das über alles Vordergründige hinausweist.

Frauenkirche

Aus dem „mahnenden Trümmerberg“ erwuchs ein Zeichen  der Lebens-Gewissheit


Liebe Amelie, lieber Zacharias, warum schreibe ich Euch das? Ich wünsche mir, dass wir uns in unserem Leben ähnlich einsetzen, wie Menschen es uns für den Wiederaufbau der Frauenkirche gezeigt haben.

Es gibt so viele ‚mahnende Trümmerberge‘, die auf den hoffnungs-gewissen Wiederaufbau warten. Wo zum Beispiel Menschen entmutigt sind, brauchen sie die Ermutigung. Wo Menschen nur mit Gewalt  die Erfüllung ihrer Bedürfnisse durchzusetzen versuchen, brauchen  sie die liebende Hand, die neue Möglichkeiten öffnet. Wo Menschen sich ängstlich zurückgezogen haben, brauchen sie  den Mut zum Aufbruch…..

Herzlich grüßt Euer  

Anrede2

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