Bäume fallen

EXISTENZELLE BERÜHRUNG

Wenn Bäume fallen oder gefällt werden (sollen), berührt Menschen das existenziell. Die ganze Existenz ist berührt, wenn ‚Mein Freund, der Baum‘ fällt.

Diesen Schmerz müssen wir häufig aushalten. Das ist aber dann erschwert,  wenn mit dem (möglichen) Fallen von Bäumen einem fragwürdigen Ziel der Weg geebnet werden soll.  Jeder Baum, der dann fällt, ist Opfer und Menschen fühlen sich wegen der existenziellen Identifizierung ebenfalls als Opfer.


IM LEBEN WIE EIN BAUM STEHEN …
Seiner Identifizierung mit dem Baum nachsinnen.

BAUM-MEDITATION


Es ist eine konstruktive Reaktion auf das ‚Opfer-Gefühl‘, wenn Menschen sich in den Weg stellen und sich über ‚Baum-Häuser‘ mit den zu opfernden Bäumen soldarisieren.

Dass Bäume geopfert werden sollen, um weitere Braunkohle-‚Felder‘ abzubauen, ist Begründung für den starken Widerstand. 

Es gibt den besorgten Blick aus wachsender Verantwortung. Experten im Bereich der Klimabeobachtung weisen seit Jahrzehnten unermüdlich auf Konsequenzen aus weiterer und ausgeweiteter Verbrennung fossiler Stoffe hin. Sie erhalten zunehmend Unterstützung angesichts der offensichtlichen Zeichen der Klima-Veränderung. Jede zusätzliche Emission vervielfacht Folgen, denen Menschen weltweit ausgesetzt sind. Viele ängstigen sich. Das zu betonen und sich gegen unverantwortliche Gleichgültigkeit  zu wehren, stehen nicht länger zur Disposition!

So sitzen Menschen auf den Bäumen. Sie haben mehr als meine Sympathie. Eigentlich sitze ich mit ihnen in ihren Baum-Häusern. Sie brauchen Ausdauer und sie brauchen Unterstützung, auch um die Präsenz von Polizei nicht mit Leben gefährdender Gewalt zu beantworten.

Konzerne und Politik, die  sich in vertraglichen Verpflichtungen befinden, müssen die beschriebene Tiefgründigkeit von Widerstand ‚verstehen‘ und der Mahnung unbedingt Raum geben.

Sie müssen das Bedingungsgefüge überprüfen und die Unabdingbarkeit von geschlossenen Verträgen und Entscheidungen wegen neuer Kenntnislage aufgeben. Die unabdingbare Gleichung ‚Vertrag ist Vertrag‘ kann nicht gelten und sie kann den Dauereinsatz der Polizei und ihre Überforderung nicht länger rechtfertigen.

Nur so kann neuer Raum für Reflexion entstehen und das heißt auch, Raum für genaues Hinhören um des Lebens willen  – heute und für die Zukunft – zu schaffen.

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Diese Gedanken  hatte ich geschrieben,  bevor der tödliche Unfall eines jungen, engagierten Journalisten bekannt wurde. Tod setzt jede ‚Bedingung‘ außer Kraft. Das ist Wahrheit und gleichzeitig bittere Tragik. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks gibt es Hinweise und Mahnungen zum ‚Innehalten‘ von ‚maßgeblicher‘ Seite und es gibt die Trauer ‚Betroffener‘ in Solidarität. Die teile ich aus vollem Herzen!


Ort gemeinsamen   ‚Innehaltens‘?

Ich hoffe auf Begegnung, vielleicht sogar in den ‚Baum-Häusern‘?

Jan-Peter Wilckens
20. September 2018


Wie immer die ‚Begegnungen‘ auch verlaufen sind: Es gibt ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes in Münster, wonach dem Strom-Konzern RWE die Abholzung im ‚Hambacher Forst‘ untersagt ist.

Allen, die der Demokratie den Abgesang tönen, darf deutlich werden, dem ‚Leben‘ ist Recht gesprochen wurde. Das ist zunächst eine juristische Maßnahme bis zu einem weiteren Verfahren, das sich aus einer Klage des BUND ableitet. Das kann bis zu drei Jahre dauern. In dieser Zeit wird die Fragwürdigkeit weiteren Braunkohleabbaus als Grundlage für Energiegewinnung noch stärker in den Blick kommen. Heute geht es darum, denen sehr zu danken, die in ‚Baumhäusern‘ ausharrten, um das Signal unübersehbar und unüberhörbar werden zu lassen: Wälder schützen heißt Klima stützen!

5. Oktober 2018


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