Auch so leben

Jesus spricht:
ICH LEBE {SO} UND IHR SOLLT AUCH {SO} LEBEN!

Johannes 14,19

LEIT-WORT FÜR DAS JAHR 2008


‚Da stehst du nun‘, sagte der Landstreicher zum Baum. ‚Bist zwar groß und stark, aber was hast du schon vom Leben? Kommst nirgendwo hin. Du kennst den Fluss nicht und nicht die Dörfer hinter dem Berg. Immer an derselben Stelle! Du kannst einem Leid tun!‘

Er packte sein Bündel fester und ging los. ‚Da gehst du nun‘, sagte der Baum. ‚Immer bist du unterwegs, hast keinen Platz, an den du gehörst. Du kannst einem Leid tun!‘

Der Landstreicher blieb stehen. ‚Hast du das wirklich gesagt?‘, fragte er und schaute zum Baum empor. ‚Wer sonst?‘, sagte der Baum. ‚Siehst du hier jemanden außer mir?‘ ‚Ne‘, sagte der Landstreicher ‚Meinst du wirklich, was du sagst? Ich geh in die Welt Tag für Tag, ich kenne ich kenne die Menschen und die Häuser mit den rot gedeckten Dächern ….‘

‚Zu mir kommt die Welt‘, sagte der Baum. ‚Der Wind und der Regen, die Eichhörnchen. Und in der Nacht setzt sich der Mond auf meine Zweige.‘

‚Ja, ja‘ sagte der Landstreicher, ‚aber das Gefühl zu gehen – Schritt für Schritt.‘

‚Mag schon sein‘, sagte der Baum, ‚aber das Gefühl zu bleiben – Tag und Nacht.‘

‚Bleiben‘, sagte der Landstreicher nachdenklich. ‚Zu Hause sein. Ach ja‘, sagte er. Und der Baum seufzte: ‚Gehen, unterwegs sein können – ach ja.‘ ‚Wurzeln zu haben‘, sagte der Landstreicher, ‚das muss ein tolles Gefühl sein!‘

‚Ja‘, sagte der Baum, ‚ganz ruhig und fest ist es. Und wie lebt man mit den Füßen?‘ ‚Leicht‘, sagte der Landstreicher, ‚flüchtig und schnell.‘

‚Wenn wir tauschen könnten‘, sagte der Baum. ‚Für eine Weile.‘  ‚Ja‘, sagte der Landstreicher, ‚das wäre schön.‘

‚Lass uns Freunde sein‘, sagte der Baum. Der Landstreicher nickte. ‚Ich werde wiederkommen‘, versprach er, ‚und ich werde dir vorn Gehen erzählen.‘  ‚Und ich‘, sagte der Baum, ‚erzähle dir dann vom Bleiben.‘

Aus: Hans-Joachim Gelberg (Hg.), „Was für ein Glück“, von Gina Ruck-Pauquet, Beltz Verlag


Wir sind ‚Landstreicher‘- und ‚Baum‘-Existenzen und brauchen den ‚Austausch‘ beider.

BleibenGehen

Bleiben und Gehen

Wenn dieses Lebens-Wort aus dem Johannes-Evangelium als Leit-Wort über dem neuen Jahr steht, dann fordert es alle auf, Leben immer wieder neu zu deuten.  Bleiberecht für das Leben heißt, die Vielgestaltigkeit zwischen Bleiben und Gehen im Sinne der kleinen Parabel  leben zu dürfen.

Jesus war ‚Landstreicher’ – frei und unabhängig –  und ‚Baum’-Existenz – standhaft und in der Bindung an Gott verwurzelt. Mit ihm in den Dialog zu treten, heißt beide Existenzen als ‚Leben‘ zu verstehen und zu ‚leben‘. Es sind die die alten ‚Polaritäten‘ ’ora et labora’ (bete und arbeite), Kampf und Kontemplation (Aktion und Besinnung), die Leben ausmachen.

Jesus hat diese beiden Seiten des Lebens in seiner Person vereint und ist darin beispielhaft geworden. Sein ‚Ich lebe (so) und ihr sollt auch (so) leben (können)‘ ist keine Utopie, sondern durch ihn bereits beispielhaft gelebte Wirklichkeit mit allen sichtbaren Konsequenzen eines verantwortlichen Lebens: Freiheit – Gelassenheit – soziale ‚Kompetenz‘ aus gelebter Gottes-Verbundenheit!

Wir sollten uns in diesem Jahr 2008 immer wieder auch gegenseitig daran erinnern, wie diese Art zu leben aussehen kann. Wir werden uns vom ‚Gehen‘ und ‚Bleiben‘ erzählen.


Meine Homepage mit ihren Impulsen möchte  auch diesem Dialog  dienen.

Gedanken zu Perspektiven im Sinne des Leit-Wortes
sind in fast allen Beiträgen auf dieser Homepage enthalten-
besonders HIER zu finden.


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